Und alle so Yeaahh!?

Seltsame Eintracht bei der Hochschulstrukturreform

Zu den durch das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK) angestoßenen Reformvorschlägen der rheinland-pfälzischen Hochschullandschaft steht ein Gesetzesentwurf bevor. Zuletzt war auch die Staatskanzlei in die diesbezüglichen Gespräche involviert. Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer steht hinter den Plänen des Wissenschaftsministers Konrad Wolf, die Universität Koblenz-Landau zu trennen, wobei der Standort Koblenz eigenständig werden und der Standort Landau mit der TU Kaiserslautern (TUK) zusammengeführt werden soll. Unter der Einbindung der Ministerpräsidentin wurden zwischen Wissenschaftsminister sowie den Hochschulleitungen der beiden betroffenen Universitäten Eckpunkte für den weiteren Prozess erarbeitet. In einer Pressemitteilung wurden die gemeinsamen Standpunkte nun kommuniziert.

Der AStA ist über die getroffenen Aussagen konsterniert. „Von der hier präsentierten Einigkeit war im Diskussionsprozess der vergangenen Monate wenig zu sehen. Die Studierendenvertretung kann diesen Eindruck nicht teilen“, äußert sich Mathis Petri, Vorsitzender des AStA und studentisches Mitglied der Steuerungsgruppe für den Strukturprozess. „Die Strukturreform wird in dieser gemeinsamen Pressemitteilung – ganz im Sinne des MWWK, der Landesregierung und der Ministerpräsidentin – als Erfolgsgeschichte fortgeschrieben. Über tatsächliche Chancen hat man bisher jedoch allenfalls am Rande gesprochen. Konkrete Vorteile für Forschung und Lehre wurden in der seit Mai tagenden Steuerungsgruppe sowie den inhaltlichen Arbeitsgruppen nicht ansatzweise diskutiert. Die Zielsetzung ging über die abstrakte Vorstellung einer Universität, die hinsichtlich ihrer Größe und Struktur vergleichbar mit den großen technischen Universitäten in Deutschland sei, nie hinaus.“
    
Geradezu befremdlich wirkt die Ankündigung, nun eine Technische Universität mit breitem Fächer-spektrum und einer starken Lehrer- und Lehrerinnenbildung zu schaffen: Schließlich spricht diese Äußerung der TUK ab, diesen Anspruch bereits jetzt zu erfüllen. „Wir sind Auffassung, dass die Technische Universität Kaiserslautern schon heute über ein breites Fächerspektrum verfügt und sie damit sehr gut und interdisziplinär aufgestellt ist. Wir sind stolz auf unsere Lehramtsausbildung, auch wenn nicht alle Schulformen angeboten werden, sondern bewusst ein Schwerpunkt auf das Lehramt an Gymnasien und berufsbildende Schulen gelegt wird“, erklärt Marek Oheim, studentisches Mitglied im Senat der TUK. Der bisherige Fokus in Richtung der großen bzw. führenden Technischen Universitäten in Deutschland (TU9) bekommt mit der nun gewählten Ausdrucksweise „moderne Technische Universität“ darüber hinaus einen neuen Anstrich. „Ich habe scheinbar gerade einen Abschluss an einer rückständigen Universität gemacht“, zeigt sich Florian Schweizer, studentisches Mitglied im Hochschulrat der TUK, bestürzt. „Das Hochschulzukunftsprogramm Rheinland-Pfalz verortete die TUK in zahlreichen Feldern in der Spitzengruppe der deutschen Universitäten. Dagegen wird sie von der Landesregierung anscheinend als unmoderne Einrichtung mit unzureichender fachlicher Breite wahrgenommen.“ 

Dass als eine der zukünftigen Herausforderungen die Positionierung in Hochschulrankings gesehen wird, ist nicht ohne Ironie. Im bisherigen Prozessverlauf haben viele mittel- und unmittelbar Beteiligte aus Kaiserslautern in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass durch eine Angliederung des Standorts Landau eine Verschlechterung bei zentralen Kennzahlen zu erwarten sei. Sie sahen und sehen hier eine erhebliche Gefahr im Wettbewerb um zukünftige Studierende, wissenschaftlichen Nachwuchs sowie Hochschullehrer*innen.

Der im Rahmen der Pressemitteilung ins Spiel gebrachte Name einer „Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität“ wird vonseiten der Studierendenvertretung entschieden abgelehnt. Damit würde man zwar der Kaiserslauterer Forderung nach einem technischen Kernprofil der zukünf-tigen gemeinsamen Universität gerecht werden, die Marke Technische Universität Kaiserslautern selbst jedoch würde verschwinden. Eine Marke, die deutschlandweit und international etabliert ist und über eine entsprechende Strahlkraft verfügt, darf nicht ohne Not aufgegeben werden.

Der AStA kann auch weiterhin nicht erkennen, wie die Hochschulstrukturreform die Technische Universität Kaiserslautern und den Standort Landau stärken soll. Daran ändert auch nichts, als neues Ziel eine „moderne Technische Universität“ auszugeben. Dass hierzu, wie in der Pressemitteilung beschrieben, eine starke Lehrer- und Lehrerinnenbildung sowie Interdisziplinarität über einzelne Wissenschaftsbereiche hinaus gehören, war der TUK auch vor dem Hochschulzukunftsprogramm bewusst und wird in Kaiserslautern bereits seit Jahren gelebt. Diese Formulierungen finden sich darüber hinaus schon in der ersten Pressemitteilung des MWWK zur Hochschulstrukturreform vom 12. Februar 2019. Sie werden nun – nach neun Monaten – ohne weitere Substanz wiederholt; die vom AStA geforderte Konkretisierung der gesehenen Chancen einer Zusammenführung bleibt aus. Somit liefert die Landesregierung in ihrer Pressemitteilung außer der Bezeichnung „modern“ nichts Neues.