Einsatz der Videoplattform Zoom in der Lehre

Das Studierendenparlament hat sich auf seiner Sitzung am 4. November intensiv mit der Nutzung der Videoplattform Zoom in der Lehre auseinandergesetzt und hierzu eine entsprechende Stellungnahme[1] verabschiedet, deren wichtigsten Anmerkungen und Forderungen im Folgenden zusammengefasst sind:

Die Studierendenschaft sieht die aktuelle Nutzung von Zoom in der Lehre aus folgenden Gründen kritisch:

  • Das Unternehmen Zoom Video Communications, Inc. ist in der Vergangenheit mehrfach durch Datenskandale und Brüche des geltenden Datenschutzrechtes in der EU aufgefallen. Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat bei einer Prüfung von Zoom im Juli dieses Jahres festgestellt, dass es sich bei Zoom Video Communications um einen Anbieter handelt, bei dem Mängel vorliegen, die eine rechtskonforme Nutzung des Dienstes ausschließen[2]. Die entsprechend kritisierten Passagen innerhalb der Datenschutzerklärung von Zoom[3] bestehen weiterhin fort.
  • Zwar hat die Universität inzwischen einen Auftragsverarbeitungsvertrag gemäß Art. 28 DSGVO mit Zoom abgeschlossen, jedoch gelten darüber hinaus auch weiterhin die Datenschutzrichtlinien von Zoom Video Communications, die insbesondere nach Einschätzung der Berliner Datenschutzbeauftragten gegen Artikel 28 DSGVO verstoßen. Insbesondere werden hier Kontrollmöglichkeiten durch den Vertragspartner eingeschränkt. Weiterhin werden die verarbeiteten Daten nicht allein im Rechenzentrum des RHRK verarbeitet und gespeichert, sondern an Zooms Server in den USA geschickt und von dort aus möglicherweise weiter an Subunternehmen mit Sitz in den USA oder auch Philippinen. Des Weiteren soll der Support allein durch Zoom als Dienstleister durchgeführt werden, was weiterhin die Sicherheit der Daten unserer Studierenden in Frage stellt.
  • Insbesondere findet sich unter den universitären Nutzungsbedingungen zu Zoom[4], dass Zoom Video Communications in der Lehre lediglich genutzt werden soll, wenn Alternativen ungeeignet sind und selbst dann ausschließlich restriktiv. Dies ist aktuell nicht der Fall. Des Weiteren wird in den Nutzungsbedingungen darauf hingewiesen, dass die Nutzung von Zoom freiwillig ist. Dies bedeutet, dass Studierenden keine Nachteile entstehen dürfen, wenn sie die Nutzung von Zoom verweigern.

Daher fordert die Studierendenschaft die Universitätsleitung auf zu handeln und fordert:

  • Es soll eine Aufforderung an alle Lehrenden versendet werden, die Nutzungsbedingungen zu Zoom durchzusetzen und dies erst nach einer umfassenden Berücksichtigung aller verfügbaren Alternativen zu nutzen. 
  • Die Nutzung von Zoom muss freiwillig bleiben. Studierenden dürfen keinerlei Nachteile aus der Verweigerung der Nutzung entstehen. Wird lediglich auf ein vorhandenes Skript verwiesen, stellt dies aus Sicht der Studierendenschaft einen klaren Nachteil dar.  Hierzu müssen Lehrende entsprechende Alternativen für Studierende, die Zoom nicht nutzen möchten, zur Verfügung stellen (wie z.B. einen parallelen Stream).
  • Die Universitätsleitung steht in der Verantwortung die Lehrenden hierbei zu unterstützen und nötige Infrastruktur und Expertise zur Verfügung zu stellen, so dass kein erheblicher Mehraufwand für Lehrende entsteht. Wo notwendig kann dies z.B. durch eine angepasste Konfiguration von BigBlueButton und Jitsi im Rahmen von verbesserten Konfigurationseinstellungen, mehr Serverkapazitäten, der Aktivierung von Erweiterungen und der Ermöglichung von zusätzlichen Streams geschehen.
  • Es soll eine anonyme Meldestelle eingerichtet werden, bei der sich Studierende melden können, wenn sie der Nutzung von Zoom widersprechen möchte. Anonyme Meldestelle lässt sich in diesem Zusammenhang so verstehen, dass Studierende sich bei einer entsprechenden Stelle melden können, wenn sie bei einer ihrer Lehrveranstaltungen die Nutzung von Zoom vermeiden wollen und aktuell keine entsprechende Alternative zur Verfügung steht. Die Bedenken der Studierenden sollen dann von dieser Meldestelle anonymisiert an die betreffenden Lehrenden der angesprochenen Lehrveranstaltungen weitergereicht werden und sich gemeinsam darum bemühen, dass entsprechende Alternativen zur Verfügung gestellt werden.

Die Studierendenschaft fordert die Universität mit Nachdruck auf, zukünftig insbesondere auf freie Software und selbstgehostete Plattformen zu setzen.

[1] www.stupa.uni-kl.de/fileadmin/public/dokument/beschluesse/50/50-16-Zoom-in-der-Lehre-Stellungnahme.pdf

[2] www.datenschutz-berlin.de/fileadmin/user_upload/pdf/orientierungshilfen/2020-BlnBDI-Hinweise_Berliner_Verantwortliche_zu_Anbietern_Videokonferenz-Dienste.pdf (zuletzt abrufbar am 05.11.2020)

[3] zoom.us/docs/doc/Zoom_GLOBAL_DPA.pdf (zuletzt abrufbar am 05.11.2020)

[4] https:/www.rhrk.uni-kl.de/?id=2667 (zuletzt abrufbar am 05.11.2020)