Begrifflichkeiten

Für einige unter euch mag dies schon altbekannt sein, aber für die Anderen an dieser Stelle einige Begriffe und was man sich darunter vorzustellen hat. Denn schließlich ist eine Barriere nicht unbedingt ein rot-weißes Band, das irgendwer in die Lande gespannt hat.

Behinderung

Der Begriff „Behinderung“ wird unterschiedlich verwendet. Diese Ausführungen lehnen sich in ihrem Verständnis von Behinderung an die Definitionen des 2. Referentenentwurfs (in Kraft seit 01.07.01) zum Bundesgesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1980 an. Im Sozialgesetzbuch IX, welches den Rahmen für zukünftig entstehende Gesetze auf Landesebene vorgibt, ist Behinderung wie folgt definiert: Gem. § 2 sind Menschen behindert, "wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.“

behindert

Die WHO unterscheidet im Rahmen der Definition des Behinderungsbegriffs zwischen den folgenden drei Abstufungen: „impairment“, (Albrecht, Gary L., handbook of disability studies, London, New Delhi, 2001, S. 105) „disability“ und „handicap“, was in der deutschen Literatur meist mit „Schädigung“, „Beeinträchtigung“ und „Benachteiligung“ übersetzt wird (vgl. Windisch; Kniel 1993). Diese drei Abstufungen werden wie folgt verwendet:

  • Eine Schädigung (impairment) ist eine anatomische, physiologische oder psychische Abnormität oder Funktionsstörung des Organismus.
  • Die Beeinträchtigung (disability) erfasst die aus der Schädigung resultierende Funktions- und Aktivitätseinschränkung in der Alltagsbewältigung.
  • Unter Benachteiligung (handicap) wird der soziale Aspekt verstanden. Das Nicht-Erfüllen-Können einer angemessenen Rolle in der Gesellschaft.

Diese Definitionen orientieren sich nicht ausschließlich am Defizit des einzelnen Betroffenen, sondern umfassen auch die gesellschaftliche Komponente. Das nachfolgende Beispiel soll dies, sowie die genannten Abstufungen, verdeutlichen. Eine Krankheit wie z.B. Spina-Bifida stellt die Schädigung dar. Unter Beeinträchtigung wird die Folge der Krankheit d.h. z.B. das Nicht-Laufen-Können verstanden.  Die dritte Abstufung - die Benachteiligung - ist nicht auf den Geschädigten zurück zu führen, sondern entsteht durch die gesellschaftlichen Bedingungen wie das Nicht-Teilnehmen-Können an einer öffentlichen Veranstaltung, weil das entsprechende Gebäude für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ist, da es ausschließlich über Treppen zu erreichen ist. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass unter Behinderung jene Nachteile verstanden werden, welche sich aus den gesellschaftlichen Gegebenheiten im Zusammenhang mit einer Beeinträchtigung ergeben. Die vorhandene Beeinträchtigung resultiert aus der Schädigung, welche - so wollen es die deutschen Gesetze - mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate andauern muss.

Barrierefreiheit

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) gibt in § 4 folgende Definition: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informations-quellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“